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ERLEBT

 Das ist einer der Gründe, weshalb ich an das Christentum glaube: Es ist eine Religion, die man sich nicht hätte ausdenken können. (C.S. Lewis)

 

Mit Religion und Kirche hatte ich nicht viel zu tun

Aber gebetet habe ich jeden Abend: “Ich bin klein, mein Herz mach rein, soll niemand drin wohnen, als Jesus allein.”

Die Welt war noch halbwegs in Ordnung

Dieses kleine Gebet hatte ich als Kind gelernt und in Ermangelung eines “mehr erwachsenen” Gebetes habe ich es jeden Abend gebetet. Ohne das Gebet konnte ich nicht einschlafen. Und dann fügte ich noch an: “Und lieber Gott, bitte hilf, dass es keinen Krieg gibt, dass kein Verbrecher kommt und dass es nicht brennt.”

Meine ganze Lebensangst, die ich schon als Kind in einem überforderten und vaterlosen Zuhause entwickelt, wurde in diesen Bitten deutlich: Dass irgend etwas über mich kommen und dann zerstören würde.

Denn ich wußte nicht, wo ich dann hingehen würde, was jenseits des Lebens bzw. der Todesschwelle war. Deshalb hatte ich so große Angst zu sterben, später hatte ich sogar Angst, einzuschlafen, da ich ja dann evtl. nicht mehr aufwachen würde…

Reiten reiten reiten – mein Leben

Als Teenager begann ich die Reiterei zu entdecken. Und die entwickelte sich für mich zum Lebensmittelpunkt. Ich absolvierte zwar noch eine Ausbildung als Industriekauffrau, fand diese Beschäftigung aber äußerst langweilig. Ich wollte das Leben entdecken. Eine Sicherheit im Leben finden, eine glänzende Zukunft haben, und vor allen Dingen jemanden finden, der mich liebte.

Im Alter von 17 Jahren wurden diese Zukunftsanstrengungen und -erwartungen mit einem Mal zerstört. Ich entdeckte einen Knoten in der Brust. Bis dahin hatte ich nur gehört, dass Leute, die Krebs hatten, auch daran sterben würden. Also wurde mir schlagartig klar, dass ich mit 17 Jahren vielleicht schon sterben mußte.

Das war eine ganz schreckliche Erkenntnis. All die guten Ratschläge und Wünsche von den Leuten um mich herum wie “Das wird schon wieder”, “du bist noch so jung, das ist schon nichts” etc. glitten an mir herunter wie Öl. Nichts, kein Trost und keine Hoffnung erreichte mein Herz. Ich spürte und schmeckte etwas von einer großen Kälte und Einsamkeit in meinem Innersten. Da war kein Funken Hoffnung. Ich fühlte mich wie das sprichwörtliche “Staubkorn am Rande des Universums”.

Nach einigen Wochen teilte mir der Arzt mit, dass es ein gutartiger Tumor war. Aber ich konnte mich über den Bescheid kaum freuen. Ich hatte etwas vom Tod und einer starken Verlorenheit geschmeckt, und das hatte mich verändert. Wenn ich also jetzt nicht sterben würde, dann irgend wann später – und ich hatte immer noch keine Antwort auf die bohrenden Fragen.

 

Das Leben voll auskosten

Nach einiger Zeit erholte ich mich von dem Schock und versuchte, so viel wie möglich aus dem Leben heraus zu holen. Es zu geniessen, wichtig zu werden, etwas zu schaffen. Und dafür arbeitete und trainierte ich jetzt. Mit 20 Jahren kündigte ich meine Arbeitsstelle und ging vollzeitlich in den Reitsport.

Ich packte meine Koffer, voller Enthusiasmus und Erwartung, und zog auf einen Reiterhof nach Norddeutschland. Meine schwer besorgte und traurige Mutter und die beiden jüngeren Schwestern ließ ich gerne zurück, da ich ja jetzt meine Zukunft erobern würde.

In Norddeutschland arbeitete ich als Bereiterin in einem Trainingsstall mit guten Pferden, die für den Vielseitigkeitssport ausgebildet wurden. An jedem Wochenende ging’s auf Turniere. Und mehr und mehr wurde mein Leben von dem “Reiter-Universum” aufgesogen. Ich war nur noch mit Reitersleuten unterwegs, man sprach nur noch über Pferde, Sport und Reiter – daneben gab es nichts mehr.

Weiterhin entdeckte ich, dass etwas Alkohol (wenn man sich irgend wo traf, dann trank man halt) meine innere Schwermut etwas milderte. Ich sah, wenn ich etwas Alkohol getrunken hatte – was nachher mehr und mehr wurde – das Leben nicht mehr so dunkel und schwer an.

 

Ein neuer Tumor

So ging es weiter bis zum fünfundzwanzig Lebensjahr. Und dann entdeckte ich wieder einen Knoten in der Brust.

Niemand erfuhr davon, auch nicht meine Geschwister und meine Mutter, selbst mein Freund nicht. Ich konnte einfach nicht mehr reden.

Ich ging zum Arzt und das ganze Programm begann von vorne. Zwischen dem ersten und dem jetzt neu entdeckten Tumor waren acht Jahre vergangen. In den acht Jahren zwischen dem ersten Tumor und dem zweiten war ich innerlich immer tiefer gesunken, immer einsamer und depremierter geworden. Äusserlich war alles in Ordnung: Ich hatte eine gute Arbeitsstelle, verdiente gut, hatte meine Pferde, mein Auto und eine schöne Wohnung. Ausserdem liess ich mir wenig sagen und trat oft ziemlich rebellisch und frech auf.

Was ich nicht hatte, war Frieden im Herzen. Ich war von Fragen umgetrieben, die ich noch nicht einmal formulieren konnte. Ich suchte etwas, von dem ich nicht wusste, was es war.

Nach etlichen Monaten der ambulanten Überwachung des Tumors (schrecklich, dieses Sitzen in den Warteräumen und auf die Diagnose der Ärzte zu warten) musste ich dann schliesslich doch ins Krankenhaus zur Operation, zu der sich der Arzt nun entschieden hatte.

Mit vielen Pferde- und Sportbüchern bewaffnet, machte ich mich mutterseelenallein auf den Weg zum Krankenhaus, um mich dort für die anstehende OP anzumelden.

Innerlich sehr aufgelöst, Angst und dem Gefühl des Ausgeliefertseins, lag ich dort im Bett und sollte für die OP vorbereitet werden. Ich wühlte mich durch meinen Bücherberg und blätterte durch die Seiten, völlig unkonzentriert. Dann hatte ich plötzlich ein kleines Buch in der Hand, welches ich bis dahin gar nicht wahrgenommen hatte. Der Titel des Buches war „Ich bin kein religiöser Typ“ von Michael Green. Es waren merkwürdigerweise Fussballspieler auf dem Cover zu sehen.

 

Ein unscheinbares Buch

Religiös war ich sicherlich nicht. Deshalb konnte ich gefahrlos in diesem Buch herumblättern.

Dann aber wurden meine Augen in den Text förmlich hineingesogen. Ich hörte mit dem Blättern auf und begann zu lesen. Als erstes listete der Autor Argumente von Leuten auf, warum sie Gott nicht gehorchen und ihm glauben. Keine Zeit, keine Lust, die Kreuzzüge, der Papst, uvam.

Plötzlich kam mir beim Lesen dieser Argumentationen in den Sinn, dass auch ich ein Argument hatte, warum ich Gott nicht gehorchte und an ihn glaube. Mein Argument, nach dem mich jedoch nie jemand gefragt hatte, was ich aber nichtsdestotrotz parat hatte, hiess: „Wenn ich sonntags in den Wald reite, bin ich besser als alle die Heuchler, die in der Kirche sitzen.“ Das war mein Argument gegenüber einem unsichtbaren Frager.

Dann schilderte der Autor, wer Jesus war und ist. Ich verstand nicht sehr viel von dem, was ich da las. Aber dann kam ich an einen Abschnitt aus der Bergpredigt. Dort stand das Wort was Jesus zu den Leuten sagt: ”Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.” (Matt 5,29)

Ich kann kaum beschreiben, was sich darauf hin völlig unerwartet in meinem Kopf und meiner Seele abspielte. Plötzlich nahm ich wahr (erkannte ich), dass Gott real ist, dass es ihn wirklich gibt, dass er wahr und wahrhaftig ist. Bisher hatte ich gedacht, Gott wäre das Eigentum der Kirche; ich hatte nichts mit der Kirche zu tun, also hatte ich auch nichts mit Gott zu tun.

Das nächste, was ich im Innersten erkannte, war, dass ich nicht auf dem Weg ins ewige Leben war, sondern dass mein Lebensweg in die ewige Verlorenheit ging. Ich sah auf einmal, dass es eine Realität hinter der mit den Sinnen wahrnehmbare Realität gibt. Dass ich eine Seele hatte, die auf dem Weg in die Verlorenheit war. Auch wusste ich, dass Gott mich kennt, durch und durch, jede Faser meines Lebens – alles, mein ganzes Leben, lag offen vor seinen Augen.

Das nächste, was ich sah, war die Hand Jesu, die sich mir über den Abgrund zwischen mir und dem ewigen, heiligen und vollkommen reinen Gott entgegenstreckte. Er alleine war der Weg zum Vater, er alleine war die Rettung und das Leben.

Das alles fand innerhalb von Minuten statt. Ich war völlig verwirrt und zu Tode erschrocken. Was sollte ich nur tun? Ich ging mit dem Buch in die Toilette (ich lag ja mit jemand anderem in einem Zimmer im Krankenhaus). Hinten in dem Buch war ein Gebet geschrieben. Mit diesem Gebet bat ich Gott um Vergebung für mein ganzes Leben, für mein Versagen, meine Irrtümer, meine Sünden, meine Rebellion. Ich war zutiefst erschüttert und weinte und betete, und weinte und betete. Zum ersten Mal in meinem Leben ging ich auf die Knie. Dort, in dieser Krankenhaustoilette. Ganz allein, vor Gott.

Kein Stein war mehr auf dem anderen geblieben. Mein Leben war in seinen Grundfesten erschüttert. Vor Gott, dem Heiligen und Reinen, konnte ich nicht bestehen. Es gab ein ewiges Leben und eine ewige Verlorenheit. Das wusste ich jetzt. Ich wusste, dass ich einem selbstgemachten Gott, meinen Pferden und meiner ganzen Lebensgestaltung, nachfolgte.

 

Plötzlich war das Leben in den Grundfesten erschüttert

Dann lag ich wieder im Bett. Die Gedanken in meinem Kopf rasten, was das alles zu bedeuten hätte. In meinem Kopf kam immer wieder der Gedanken: „Du bist verrückt. Wieso willst du alles aufgeben, nur wegen ein paar Eindrücken?“ Aber eine Etage tiefer, in meinem Herzen, hörte ich nur zwei Worte: „Du musst.“ Ich wusste in meinem Innersten, dass ich nur EINEM Herrn folgen konnte. Und dass ich nichts mitnehmen konnte.

So lag ich die ganze Nacht in diesem Bett, zerrissen und kämpfend zwischen Kopf und Herz, Gewissen und Verstand. Am frühen Morgen traf ich die Entscheidung. Ich ergriff die Hand Jesu, die sich mir im Kreuz entgegenstreckte, und gab mein eigenes Leben auf und ab. Konkret bedeutete das, dass ich alles aufgab, was zu diesem alten Leben gehörte: Der Selbstverwirklichung durch meinen Sport, durch die Pferde, eigene Ziele etc.

Ich rief sofort die Leute an, bei denen mein Pferd stand, und sagte ihnen, dass ich das Pferd jetzt verkaufen würde. Es tat mir sehr weh, weil ich mein Pferd wirklich liebte. Gleichzeitig war eine solche Energie und Kraft und Bedeutung in mein Leben gekommen, dass ich gar nicht anders konnte, als diese für die Leute unverständlichen Schritte zu gehen.

Meine Familie war aufgebracht. Und das kann man ihr nicht verdenken. Sie dachten (und sagten): „Jetzt ist sie endgültig durchgedreht.“ Sie verstanden die Welt nicht mehr. Alles, alles wollte ich aufgeben? Und das von einem Tag auf den anderen? Ich konnte mich nicht erklären, wusste nur, dass ich von nun an einen neuen Weg gehen würde. Gott hatte mich gerufen, und ich musste und wollte ihm folgen.

Wohin und wie das vor sich gehen würde, davon hatte ich keine Ahnung. Aber mein Herz brannte, meine Depressionen und Lebensängste und Todesfurcht war wie weggeblasen. Es war alles ganz unglaublich.

 

Die ersten Schritte in dem neuen Leben

Das Buch, in welchem ich die Wahrheit über Gott und Jesus gelesen hatte, lag neben meinem Bett auf dem

Das wirkliche Powerbook!
Die Bibel.

Nachtschränkchen. Ich lag ja immer noch im Krankenhaus. Am nächsten Tag kam ein Krankenpfleger herein, zeigte auf das Buch und fragte mich: „Interessieren Sie sich für so etwas?“ Ich wusste nicht genau, ob ich mich für so etwas interessierte, es war mir eher etwas peinlich, „darauf hin“ angesprochen zu werden. So sagte ich zum ihm: „Ja, ein bisschen.“

Am nächsten Tag kam dieser Mann mit einer Plastiktüte voll christlicher Literatur an. Da war alles drin, was ich a) noch nie gesehen hatte, und b) so total interessant war. Es waren Bücher von Dietrich Bonhoeffer in dieser Plastiktasche, Basilea Schlink u.v.a.m. Ich begann zu lesen und zu lesen. Jetzt war alles so lebendig für mich. Ich wollte alles über diesen Gott und Jesus Christus lernen.

Das nächste, was geschah, dass mein Freund mich besuchte. Und dann passierte etwas sehr merkwürdiges. Ich spürte wie eine Glaswand zwischen ihm und mir. Es war, als wären wir getrennt. Das war nicht etwas, was ich mir vorgenommen hatte, sondern es geschah einfach. Später wusste ich, dass Gott Seine wunderbare Hand schützend über mich gehalten hat. Er hat meinen Weg so einzigartig und voller Liebe Schritt für Schritt geleitet. Ich war wie ein Baby, was von fast nichts eine Ahnung hatte und sich noch nicht schützen konnte.

So verschwand mein Freund recht schnell aus meinem Leben. Und auch die Reiterei, einschliesslich meiner Reiterbekanntschaften. Es hatte nichts mehr Platz in meinem Herzen als Gott allein. Ich war völlig eingenommen von Seiner Wahrheit, Seiner Liebe – und ich spürte, wie sich ein neues Leben vor mir auftat.

Ich erinnere mich noch genau, als ich dann endlich das Krankenhaus verlies (der Tumor hatte sich, ebenso wie der erste mit siebzehn Jahren, als gutartig herausgestellt), sogar die Bäume in ein glänzendes Licht getaucht waren. Ich dachte noch: Das sind doch die gleichen Bäume wie vorher. Aber alles sah anders aus, weil mein Innerstes anders geworden war. Damals hatte ich noch keinen Begriff für das, was geschehen war. Später erfuhr ich aus der Bibel, dass Gott mich vom Himmel „wiedergeboren“ hatte, dass er all meine Schuld, meine Zielverfehlung des Lebens und mein Unwissen auf sich und von mir genommen hatte. Deshalb konnte ich plötzlich so klar sehen.

Ich habe von anderen später gehört, dass sich dieser Prozess öfters länger hinzieht. Aber ich erlebte es als ein wirkliches Geschehen in einem Moment.

Gott begegnete mir in seinem Wort und in Jesus Christus. Ich erkannte die Wahrheit, die Wahrheit über Gott und auch die – nicht so erfreuliche – Wahrheit über mich selbst. Aber dann musste ich noch eine Entscheidung treffen. Nämlich dieser Wahrheit Folge zu leisten. Und das hiess ganz konkret, den einen Gott, den ich mir selbst gemacht hatte, los zu lassen, um dem EINEN wahren Gott, nachzufolgen. Diese Entscheidung konnte mir niemand abnehmen, ich musste sie selbst treffen. Es hätte auch nicht gereicht, die Erkenntnis zu haben. Denn Erkenntnis allein bringt noch keine Veränderung, erst die ganz persönliche Entscheidung vollendet die Erkenntnis und schafft göttliche Fakten, lassen Sein Wort im Leben Wahrheit werden.

 

Die erste Bibel. Lebendig wie die BILD-Zeitung

Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen war, war das erste, was ich wollte, eine Bibel kaufen. Ich wollte eine Bibel haben. Denn so viel wusste ich schon: Die Bibel ist Gottes Wort, und wenn ich das lese, dann lerne ich, wer er ist und was er möchte, bzw. von mir möchte. Ich wollte diesen Gott kennenlernen.

Also ging ich in der Kleinstadt in ein Buchgeschäft und schaute mich nach einer Bibel um. Ich fand eine schöne handliche schwarze Lutherbibel mit der goldenen Lutherrose auf dem Cover. Mit dieser Bibel zog ich dann ab und begann darin zu lesen. Ich dachte, die Bibel ist vielleicht wie jedes andere Buch auch, so dass das Beste und Interessanteste hinten drin steht. So begann ich also hinten in der Bibel zu lesen, das Buch der Offenbarung. Ich las es in einem Stück durch – und war erschlagen. Erschlagen von diesen gewaltigen Bildern, von diesem gigantisch großen Gott, von den Zorngerichten, die über die Welt (und sicher auch mich) ergehen würden. Ich glaubte jedes Wort und wartete darauf, dass diese Gerichte über mein Leben kommen würden. Vor Schreck fuhr ich mit meinem Auto nur noch mit ganz geringer Geschwindigkeit, da ich dieses Ende nicht provozieren wollte. Ich wollte doch Gott vorher noch kennenlernen.

Meine erste Begegnung mit der biblischen Lektüre endete also ziemlich in der Verwirrung. Also begann ich von vorne zu lesen. Jeden Tag las ich auf den Knien fünf Kapitel – und in einem Jahr war ich durch die ganze Bibel.

Ich kann nicht sagen, dass ich sehr viel verstanden hätte, aber ich lernte einiges von Gott: Dass er die Welt und die Menschen erschaffen hat, dass sich die Menschen im Unglauben und Ungehorsam gegen ihren Schöpfer wandten und so die Gegenwart Gottes, das Paradies, verlassen mussten. Dass sie in Streit, Zorn und Mord ihr Leben fristen mussten – aber dass Gott sie nicht verlassen hat, sondern einen Weg geschaffen hat, sie aus ihrer Rebellion und Verlorenheit zu erretten.

 

Der ferne Gott ist so nah geworden

Und dass hatte ich ja nun am eigenen Leib und Leben erfahren. Der ferne Gott, an den ich „vorher“, vor meiner Bekehrung, nur ab und an ein Gebet gerichtet hatte, war jetzt MEIN Gott geworden, MEIN Vater im Himmel, der, der mein Leben jetzt gestalten würde.

Noch viele Jahre später war und ist es auch heute noch das Bewegendste für mich, dass Gott mich angeschaut hat, dass er mich kannte und kennt und dass er sich über mich erbarmt hat.

Aber ich war mutterseelenallein, ich kannte keinen einzigen Christen, jemanden, der mir je gesagt hätte, dass Jesus wirklich lebt und dass er mit uns leben möchte. Aber ich hatte von meinen ehemaligen Reiterkollegen gehört, dass der Sohn eines der Mitglieder des Vereins unerlaubterweise das Sportcoupe des Vaters genommen hatte, um mit seinem Freund eine Spritztour zu machen. Diese Spritztour endete in einem schweren Unfall, wobei der Freund des jungen Mannes auf der Strasse starb. Von da an war J., den ich ja kannte, von der Bildfläche verschwunden. Und man erzählte sich, dass er jetzt „die Bibel las“.

Das fiel mir dann ein. Und so machte ich mich auf den Weg zu J. Und tatsächlich, er war zu Hause. Ich sagte zu ihm: „Ich habe gehört, dass du eine Bibel hast und darin liest. Stimmt das?“ Er zeigte auf sein Bücherregal und sagte: „Das sind alles meine Bibeln.“ Ich war schwer beeindruckt. Dann lud er mich ein, mit ihm in einen Gottesdienst zu kommen. Was ich natürlich sofort machte.

Am kommenden Sonntag holte er mich ab und wir fuhren gemeinsam zu seinem Gottesdienst in der kleinen Stadt, wo ich wohnte. Es waren die Neuapostolen, was ich aber damals überhaupt nicht wusste. Ich wusste eigentlich nur etwas von evangelisch und katholisch, weder von Freikirchen noch von sonst irgend etwas christlichem. So machte ich also meinen ersten Gottesdienst mit.

Aber ich fühlte mich von Anfang an nicht wohl. Es war alles sehr merkwürdig dort. Es gab dort überlieferte Botschaften von irgend einem ihrer Leiter, alles war ziemlich düster und bedrückend. Nachdem ich dann einen weiteren Gottesdienst bei ihnen besuchte, wollte ich mich verabschieden von diesen Leuten. Die aber kamen dann zu mir in die Wohnung, um mich als ihr Mitglied zu behalten. Das geschah einige Male, bis sie mich dann in Ruhe liessen.

 

Wo sollte ich nur „richtige Christen“ finden?

Gott hat mich jedoch nicht aus den Augen gelassen. Er hatte ja mein Leben in seine Hände genommen.

Eines Tages klingelte es bei mir und eine mir nicht bekannte Frau stand vor der Türe. Sie stellte sich vor als Erika Leuchtmann. Wir waren sicher beide sehr verlegen. Sie stellte sich als Erika Leuchtmann vor und sagte zu mir, dass sie „gehört hätte, dass etwas mit mir geschehen sei.“ Ich war sehr verwundert und bat sie, herein zu kommen.

Sie war der erste „richtig Christ“, der in mein Leben trat. Sie war der Engel, von Gott gesandt, um sich meiner anzunehmen.

Nach unserem Gespräch und bei der Verabschiedung lud sich mich ein, sie und ihre Familie zu besuchen.

Und das tat ich dann auch. Ich war zum Mittagessen eingeladen. Als ich dort ankam und am Tisch Platz nahm, von allen freundlichst begrüsst – die Familie hatte vier Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren – erlebte ich eine Offenbarung. Es war das erste Mal in meinem ganzen Leben, dass ich eine Familie kennenlernte, die sich respektierte, wo Frieden war, wo man sich ausreden liess – und vor allen Dingen, wo man sich nicht anschrie und ständig schimpfte. Mein ganzes Leben lang hatte ich zuhause fast nur Schimpfen, Unfrieden, aggressive Antworten, Ablehnung und Angst erlebt. Und nun so etwas Wunderbares. Ich blühte förmlich auf wie eine Blume, die zu lange im Dunkeln gestanden hatte. Diese Familie nahm mich „neugeborenes Christenbaby“ bei sich Zuhause auf. In ihre Familie. Nie werde ich ihnen vergessen, wie sehr sie sich um mich kümmerten, meine tausenden von Fragen versucht haben zu beantworten, mich mit in ihre Gemeinde nahmen und mir ein Zuhause schenkten.

Ich ging natürlich weiterhin meiner Arbeit als Industriekauffrau nach und behielt auch meine Wohnung, aber jede freie Minute war ich bei ihnen, wohin auch sonst noch viele junge Leute kamen. Auch in die Gemeinde ging ich sehr oft: Zum Gottesdienst, zur Bibelstunde, zur Jugendstunde etc.

Mit anderen auf die Straßen von Frankfurt, um von Jesus zu erzählen.

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich befreit und begann, Freude und Spass mit anderen zu haben, tiefe Gespräche zu führen, über den Glauben, der nun mein ganzes Leben bestimmte, zu sprechen, Musik zu hören, Spaziergänge zu machen. Später sagte mir Erika Leuchtmann einmal: „Ich habe vorher nie jemanden getroffen, der so traurige Augen hatte wie du.“ Obwohl ich innerlich so neu geworden war (Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2Kor 5,17), so steckte doch die Verlorenheit und Traurigkeit meines bisherigen Lebens noch in der Seele, ja sogar im Körper spürte ich noch die Verlorenheit, obwohl mein Geist neues Leben bekommen hatte. Es dauerte noch viele Jahre, bis auch die Seele gesund geworden war.

Mit der Familie Leuchtmann begann eine erste Zeit von Freundschaften und „irgend wohin gehören“. Es war genauso, wie Jesus sagt: „Ihr aber trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch alles andere zufallen. (Mt 6,33), und in Mk 10,30 heisst es ausdrücklich: der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben.“

 

Taufe

Ich las sehr viel in der Bibel. Und da fand ich dann folgende Aussage: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. (Apg 2,38).

Ich war zwar als Baby getauft worden, aber ich wusste, nachdem ich diese Stelle in der Bibel gelesen hatte, dass ich jetzt, wo ich gläubig geworden war, mich auf den Namen Jesu taufen lassen sollte und auch wollte. Ich beriet mich mit meinen neuen Freunden, die mich in dem Anliegen unterstützen und mir erklärten, warum erst der Glaube und dann die Taufe – und nicht umgekehrt. So meldete ich mich bei der Freien evangelischen Gemeinde, bei er ich Mitglied geworden war, zur Taufe an. Der Pastor freute sich über meine Bitte und erklärte mich, dass ich vor der Taufe ein „Zeugnis“ geben sollte. Ich sollte der Gemeinde erzählen, wie ich Christ geworden war und warum ich mich taufen lassen wollte.

Allein die Vorstellung, dass ich vor Menschen stehen würde und zu ihnen sprechen, bereitete mir Magenschmerzen und Schweissausbrüche. Leider musste ich noch wochenlang auf die Taufe warten – und wochenlang zittern bei der Vorstellung, vor der Gemeinde zu stehen und zu sprechen.

Und dann kam der Tag. Tagelang hatte ich nur von Kamillentee gelebt. Meine Familie, die ich zu dem für mich so wichtigen Tag eingeladen hatte, kam nicht. Meine Mutter war erbost, dass ich mich „nochmal taufen“ lassen wollte. Meine Schwestern nahmen das eher gleichgültig zur Kenntnis, aber sie kamen auch nicht zu meinem Festtag.

Und so wurde ich getauft auf den Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Meine neue Familie, die Gott mir auf so wunderbare Weise geschenkt hatte, und die neuen Freunde, die ich nun hatte, freuten sich alle mit mir. Anschliessend gab es ein grosses Festessen.

 

Die weiteren Wege, die Gott mich führte, werde ich in einem der kommenden Artikel schreiben. Ich kann nur sagen: Gottes Wege sind wunderbar, herrlich, überraschend, liebevoll, und: Er bringt uns sicher ans Ziel.

 

One Response to “ERLEBT”

  1. Carsten Zemlyak sagt:

    Liebe Marita,
    Ich warte schon gespannt auf weiter Seiten dieses wunderbaren Zeugnises über deine Begegnung mit Gott. Dein Vater im Himmel ist in allem bei dir und gebraucht dein Leben auf so wundervolle Weise. Es macht sehr viel Mut, Freude und Hoffnung dein Zeugnis zu lesen. Danke Dir für alles, Carsten ;) )

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